Das Zettelwerk ist ein Archiv für Alltagsdrucksachen: Eintrittskarten, Tickets, Behördenformulare – diese alltäglichen Druckerzeugnisse werden langsam aber sicher durch ihre digitalen Pendants ersetzt. Statt eines gedruckten Kaufbelegs, landet ein digitaler im Postfach, das Bahnticket erscheint auf dem Handydisplay und E-Mails decken den Großteil des Schriftverkehrs ab. Das Zettelwerk sammelt gedruckte Dokumente aus den letzten 100 Jahren, welche unseren Alltag begleiten und dokumentieren.

 

Im Fokus der Sammlung stehen Alltagsdrucksachen, die unter dem Fachbegriff Ephemera gefasst werden. Ephemera : ephemeres = für einen Tag, flüchtig — Papierprodukte für den kurzweiligen und einmaligen Gebrauch wie zum Beispiel Eintrittskarten, Tickets, Formulare, Briefköpfe, Werbezettel, Visitenkarten, Einkaufsbelege etc. Objekte, welchen man auf Grund der Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft wenig Aufmerksamkeit zukommen lässt. Die gestalterische Vielfalt und der Aspekt, dass sie als Zeugnis unserer Alltagskultur Auskunft über gesellschaftlichen Wandel geben, zeigen aber, dass es sich lohnt, genau diesen Objekte Beachtung zu schenken.

 

Das Zettelwerk ist ein studentisches Projekt der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle des Studiengangs Kommunikationsdesign. Sarah Fricke, Lisa Petersen und Lea Sievertsen haben sich der Idee des Archivs, die bereits zuvor in einer Gruppe mit anderen Studierenden und betreut von Prof. Anna Berkenbusch und Ferdinand Ulrich entstand, in ihrem Bachelorprojekt gewidmet und das »Zettelwerk« gegründet. Mit dem Aufbau der Sammlung soll eine langfristige Einrichtung gegründet werden, welche für Interessierte frei zugänglich ist. Ein Ort, um typografische Zeitzeugen zu recherchieren, visuelle Formensprache über Zeitabschnitte hinweg zu vergleichen oder sich Inspiration von früheren Gestaltungen oder eben Nichtgestaltungen zu holen. Um die Möglichkeiten zum Stöbern und Recherchieren ortsunabhängig zu erweitern, erstellten die Studentinnen Laura Martinez, Luise Menz und Sophie Pischel unter Betreuung und Anleitung durch Prof. Anna Berkenbusch, Sanna Schiffler und Francis Hunger eine Webseite, die als digitales Archiv fungiert und zusätzliche Informationen online zugänglich macht.